Aschersleben – Verfahren eingestellt

Das Verfahren gegen die angebliche „Führungsspitze eines Kinderpornorings“, gegen die 11 Pädophilen, die sich Anfang Mai in Aschersleben getroffen haben, wurde wie erwartet eingestellt. Pünktlich nach der Ausstrahlung der manipulativen Boulevard-Reportage „Undercover Deutschland“.

Die Reportage selbst hatte übrigens so erschreckende und „belastende“ Inhalte wie einen Kinder-Kalender, das Herumtoben mit einem Kind im Zoo und ein paar anrüchige Pädophilenwitze, also kaum eines weiteren Kommentars wert.

Die Medien selbst hatten bezüglich der Einstellung des Verfahrens jeweils nur ein paar Zeilen übrig. Ob sich Kuhnigk oder Innenminister Holger Stahlknecht dazu noch mal äußern möchten, ist fraglich.

http://www.mdr.de/sachsen-anhalt/ermittlungen-nach-razzia-in-aschersleben102_zc-a2551f81_zs-ae30b3e4.html

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/angeblicher-kinderporno-ring-in-aschersleben-ermittlungen-eingestellt-a-981815.html
http://www.stern.de/panorama/mutmasslicher-paedophilen-ring-staatsanwalt-stellt-ermittlungen-ein-2125072.html

https://www.girlloverforum.net/forum/viewtopic.php?f=7&t=14894
https://www.girlloverforum.net/forum/viewtopic.php?f=7&t=14895

Update:
Die Mitteldeutsche Zeitung berichtet mittlerweile etwas ausführlicher.

Der Oberstaatsanwalt verwies jedoch darauf, dass sich seine Behörde – anders als die Polizei – von Beginn an zurückhaltend in dem Fall geäußert habe. „Pädophilie und die Gründung eines Netzwerkes sind per se auch nicht strafbar“, erklärte er. Strafbar seien der Erwerb, der Besitz und die Verbreitung kinderpornografischen Materials. Einige Mitglieder der Gruppe hätten bei Vernehmungen ihre pädophilen Neigungen zwar eingeräumt, eine Beteiligung an Straftaten allerdings bestritten, sagte der Oberstaatsanwalt.

Na diese Einsicht kommt aber spät.

Der alltägliche Pädophile?

Wenn fünf Sexualwissenschaftler privat zusammensitzen, und einer schneidet das Thema Pädophilie an, bricht innerhalb kurzer Zeit heftiger Streit aus.

… schreibt Sophinette Becker in ihrem Aufsatz „Pädophilie zwischen Dämonisierung und Verharmlosung“. [1]

Woran mag das liegen? Worum handelt der Streit? Meine Vermutung ist erstens: Es ist sehr wenig bekannt über den „alltäglichen Pädophilen“, so wie er sich mehrheitlich in unserer Gesellschaft orientiert, sich eingliedert, wie er handelt, welche Meinung er vertritt, ob er leicht straffällig wird oder sehr fern davon ist. Ziemlich sicher ist wohl bloß, dass er genauso unterschiedlich und individuell ist, wie andere Menschen auch.
Zweitens: Wie sinnvoll sind eigentlich die klinischen Definitionen von Pädophilie? Diese wird meistens über die sexuelle „Präferenz“ begriffen. Aber genauso wie es wohl bisexuelle Menschen gibt, wird es wohl auch Menschen mit allen möglichen Mischungsverhältnissen von Neigungen geben, sodass jemand, der zwar Erwachsene bloß noch etwas mehr attraktiver findet als Kinder, nicht mehr definatorisch als pädophil gilt. Manchmal redet man auch von dem Begriff „Sekundärpädohilie“ oder Menschen mit „pädophilen Neigungen“. Und überhaupt zeigen laut Berner [2] 25% aller Männer eine sexuelle Reaktion auf das kindliche Körperschema. Wenn es dann gar um pubertäre Kinder oder Jugendliche geht dürfte dieser Prozentsatz weit höher sein.

In jeder Diskussion über „Pädophile“ sollte man sich zunächst überhaupt mal überlegen, über wen reden wir jetzt eigentlich genau und was für Zusammenhänge stricken wir eigentlich, wenn wir die bloße Präferenz mit bestimmten Phänomenen und Menschengruppen in Verbindung bringen?

Pädophilie wird zum Einen häufig über Straftaten oder Status begriffen:
Katholische Priester? Korrupte ranghohe Politiker, die in Kinderbordelle gehen? Sind es Kindersexurlauber? Mitglieder in ritualistischen Sekten? Der perverse Onkel? Der übergriffige Kindergartenerzieher? Der sozial isolierter Kinderporno-Konsument?

…. oder über bestimmte Charakterzügen:
Der „zurückgebliebene“ und kindliche junge Mann? Jemand, der vor einem erwachsenen Beziehungspartner Angst hat? Jemand mit Machtkomplexen? Ein Sadist? Oder neuerdings auch: Ein hochgradig leidender Mensch, der Angst hat übergriffig zu werden und nach Therapie ruft oder seine Sucht nach Kinderpornographie loswerden möchte.

Ich halte alle Perspektiven für wenig sinnvoll. Nicht nur, dass man mit dieser Zugangsweise ein sehr allgemeines Attribut wie die „Pädophilie“ in einen viel zu komplexen Zusammenhang stellt und damit eigentlich jede andere pädophile menschliche Daseinsform vernachlässigt, man bildet gleichzeitig auch Stereotypen und portraitiert Extremfälle, die der Realität pädophiler Daseinsformen einfach nicht gerecht wird.
Das ganze Konzept „Pädophile“ über irgendeine solche festgelegte Perspektive zu begreifen, halte ich für genauso falsch, wie, wenn man versucht den „Ausländer“, „den Migranten“ oder „den typisch Deutschen“ unter einer Perspektive zu charakterisieren. Oder um näher am Thema zu bleiben: Den „typisch“ Hetero- oder Homosexuellen.

Den therapiebedürftigen Pädophilen

Eine Perspektive, die sich in jüngster Zeit seit des Bestehens des Projekts „Kein Täter werden“ [3] propagiert hat, ist die des therapiebedürftigen Pädophilen. Manch‘ einer mag dies als progressive und fortschrittliche Perspektive sehen, allerdings gilt aus meiner Sicht nach wie vor, dass sie eine Perspektive ist, die in gleichem Maße Stereotypen befördert. Nämlich den eines unkontrollierten leidenden Pädophilen, der sich mit aller Kraft zurückhalten müsse keine Kinder zu missbrauchen und in verzwickten Situationen seiner Neigung erlegen sein könnte, weshalb er dringend eine Verhaltenstherapie brauche. Sehr gruselig und dunkel wurde dies z.B. in einem Artikel der Zeit [4] portraitiert.
Auch einige Pädophile in Threapie melden sich hier zu Wort [5].

Um das noch einmal klarzustellen: Sicherlich sind manche Pädophile so und finden sich auch in all‘ diesen Perspektiven. Aber wieviele sind das nun, oder sind es nicht besser gesagt? Wie gut begreift man das Phänomen Pädophilie über den „therapiebedürftigen Pädophilen“? Ich denke sehr begrenzt.

Das wissen z.B. auch die Sexualwissenschaftler an der Charité und formulieren nüchtern [6]:

Whether this sample is representative for pedophiles, or rather represents an unusual sample, cannot be estimated at present, because an empirically based description of the general pedophile sample has yet to be described in the literature. (Hervh. d. Verf.)

Was haben alle Perspektiven bisher gemeinsam? Sie sind sichtbar, sind oftmals Extremfälle und sie passieren an der Oberfläche der Gesellschaft z.B. in der Form eines Missbrauchsskandals.
Darüber hinaus sind sie extrem fixiert auf Sexualität und Missbrauch, Übergriff und Kontrolle.

Jemand, der Kinder mag und sich in Mädchen verliebt

Zuletzt möchte ich hier noch von mir erzählen und allgemein von ein paar handvoll Menschen berichten bei denen ich glaube Gemeinsamkeiten mit ihnen gefunden zu haben. Tatsächlich kenne ich keinen Pädophilen außerhalb des Internets und ich hätte auch zu viel Angst solche Kontakte zu riskieren, was, vor allem in Anbetracht der jüngsten Ereignisse, nicht verwundern sollte.

Persönlich habe ich mich nie als jemanden aus den oben skizzierten Perspektiven begriffen und mir wurde erst nach meiner Schulzeit langsam bewusst unter welcher „klinischen Definition“ ich zufällig fallen würde. Dabei ist das gar nicht so einfach zu erkennen, wenn man Pädophilie bisher nur als Grausamkeit gegenüber Kindern in den Medien erfährt.

Dennoch waren die Zeichen eindeutig. Zunächst liebte ich einfach die Gegenwart von Kindern, spielte mit ihnen mit, führte interessante Gespräche und verbrachte eben gerne und oft Zeit mit ihnen, genoß ihre Aufmerksamkeit und die Kinder meine. Mein elementarer Gemütszustand war unter Kindern einfach: Glück und Lebensfreude, ein überaus gewaltiger emotionaler Stimulus, den natürlich auch andere Menschen und Eltern mit ihren Kindern erleben. Wenn ich dagegen früher aber immer andere in meinem Alter gehört habe, wie sie Kinder nervig finden würden, dann verstand ich quasi nur noch Bahnhof. Das war für mich nicht im Geringsten nachvollziehbar.
Eine ganz naive Denkweise von mir war eben: Die kennen Kinder einfach nicht so richtig. Ich hatte damals eher durch Zufall als durch gezielte Suche mir viel und beständigen Kontakt zu vielen Kindern „eingehandelt“, was für meine Altersgruppe jetzt nicht wirklich üblich war. Mein „Engagement“ stieß überall auf positive Resonanz, bei den Kindern so wie bei den Eltern. Anscheinend verstand ich mich mit Kindern auf Anhieb sehr gut und wurde von sehr vielen von ihnen zu einer wichtigen Bezugsperson. Dieses gewaltige positive Feedback war mir allerdings teilweise auch etwas unangenehm – ich wusste nicht genau warum.

War ich einfach nur kinderlieb?

Die nächste Überraschung für mich war es dann, dass ich mich in ein Mädchen im Grundschulalter verliebt habe. Ich dachte ständig an sie und, wenn wir gerade Zeit miteinander verbrachten, versuchte sie mir ständig Aufmerksamkeit abzuringen, die ich ihr natürlich gerne gewährte. Es waren sehr intensive emotionale Gefühle und gleichzeitig waren da auch Wünsche nach körperlicher Nähe dabei und letztendlich nach sexueller Intimität. Nur nach und nach wurde ich mir der Bedeutung dieser Wünsche bewusst.
Ich verspürte allerdings an keiner Stelle direkte Handlungsimpulse oder irgendwelche Züge in mir, die mich eine „Tat“ oder ähnliches vorrausplanen lassen würden, oder auch keine übermäßige Erregtheit oder ähnliche extreme Dinge.
Für mich zählte einfach nur ihre Nähe und ich ließ mich ständig mitziehen von dem, was sie sagt und tut. Sie gab mir Ideen und ich gab ihr welche zurück, jede Begegnung mit ihr war fantastisch kreativ, mit Glücksmomenten überzogen, sodass ich alles um mich herum vergessen konnte. Wahrscheinlich erzähle ich hier bloß einfach nur Verliebtheits-Symptome, die wohl jeder kennen dürfte. Aber mir ist dieser Teil wichtig, weil er mich am meisten definiert. Was ich mir von meinem Leben wünsche und wie ich es gestalte ist vorrangig Zeit mit Kindern zu verbringen, die ich liebe. Sie machen mich glücklich. Wer mir erzählen möchte, dass ich eine Therapie brauche oder mich von Kindern fernhalten sollte, der kann hier wohl meinen Lebensweg nicht nachvollziehen.
Im girlloverforum [7] konnte ich später dann zum ersten Mal Menschen entdecken mit denen ich Gemeinsamkeiten sah. Das, was ich dachte und fühlte, gab es nirgendwo anders.
Gleichwohl musste ich mich dort erstmals mit unangenehmen Themen wie Kinderpornographie und sexuellen Missbrauch auseinandersetzen. Das war für mich sonst nie ein Thema, ab da an schon. Aber im Grunde genommen nur, weil es die beiden Hauptaspekte sind, die uns Pädophilen immer angelastet werden. Sich mit den Anschuldigungen und diesen Themen selbst auseinanderzusetzen ist quasi unausweichlich im Internet. Dazu vlt. mehr in späteren Blogeinträgen.

Ich verharmlose Pädophilie?

Was mir an dieser Stelle der Erzählung meistens vorgeworfen wird:

    Ich würde Pädophilie verharmlosen
    Ich erzähle nicht die Wahrheit
    Ich könnte mir ja gar nicht sicher sein keinen Übergriff zu begehen

Verharmlosung: Ich habe hier nur versucht möglichst genau meine Gedanken- und Gefühlswelt widerzuspiegeln. Dass es anderen Pädophilen vielleicht ganz anders gehen mag, kann ich absolut nachvollziehen. Wir sind alles unterschiedliche Individuen und es wäre auch falsch uns einzig und allein über unsere Neigung zu definieren.

Lüge: Ich schreibe hier ganz anonym und aus sicherer Distanz. Was hätte ich für einen Vorteil davon ein mir unbekanntes Publikum anzulügen? Es handelt sich ja nicht um eine Bewerbungsmappe für eine Anstellung an einem Kindergarten, auch will ich keine pädophile Religion etablieren oder ähnliches. Und ein Mensch, der Kindern tatsächlich gefährlich werden kann (egal ob pädophil oder nicht), dem wäre ganz dringend irgendeine Form der Behandlung anzuraten und erst einmal einen großen Bogen um Kinder.

Sicherheit: Also warum kann ich mir eigentlich sicher sein keinen Übergriff zu begehen? Da wären zum einen die enormen Verlustängste und Hemmschwellen vor der Katastrophe, dass für das Kind, das ich liebe, alles den Bach runtergeht. Das kann ja sogar schon dann passieren, wenn der bloße Verdacht besteht. Auch bei Kindern bei denen man fälschlicherweise vermutet, dass sie missbraucht worden sind, kann ein lebensveränderndes Drama über sie hereinbrechen. Verängstigte Eltern, Befragungen, Untersuchungen… alles wirkt verwirrend und bedrohlich. Es ist zusätzlich ein unaushaltbarer Gedanke, wenn man ihr erzählen würde, dass ich ein böser Mensch sei und wir uns nicht mehr sehen können. Gegen diese emotionale Hölle, der das Kind ausgesetzt wird und man jeden Moment mitleidet, wäre die anschließende Gefängnisstrafe basierend auf falscher Verdächtigung ein Witz. Nicht nur stehen Straftaten für mich außer Frage, sondern ich bemühe mich auch gar nicht erst Anlass für einen solchen Verdacht zu geben. Das Kind und ich hätten davon nämlich gar nichts.

Zweitens weiß ich nicht wie es anderen Menschen geht, aber ich erlebe mich als bewussten Entscheider meiner Handlungen. Noch nie wollte ich rechts irgendwo entlanglaufen und ging dann plötzlich doch links. Das klingt nun etwas albern, aber, was soll man denn auf so eine Frage auch antworten? Ich begreife auch die menschliche Sexualität nicht als eine menschliche Fakultät, die sich nicht kontrollieren ließe und ich erlebe mich auch nicht als jemand sexuell Ausgehungerten, dadurch, dass uns Menschen so etwas wie Selbstbefriedigung möglich ist. Ginge man also von der „Dampfkessel-Theorie“ menschlicher Sexualität aus, dann wäre dem damit rein organisch und biologisch mit Selbstbefriedigung abgeholfen. Zudem gibt es auch viele nicht-pädophile Menschen, die bis ins hohe Alter nie sexuelle Erfahrungen gemacht haben („Absolute Beginners“ [8]) und ich glaube nicht unbedingt, dass man dieser Menschengruppe eine höhere Prävalenz für Sexualstraftaten nachweisen konnte. Wer dazu wissenschaftliche Studien o.ä. kennt, dann würde ich gerne davon erfahren.

Der alltägliche Pädophile

Was ist er nun der alltägliche Pädophile? Ich bin sehr sicher, dass er eher unsichtbar ist, überall verteilt und gerne bei Kindern. Auch bin ich mir sicher, dass viele so sind wie ich, auch, wenn ich das nicht sicher sagen kann. Viel mehr Anhaltspunkte als mich selbst und Extrembeispiele aus den Medien, habe ich ja auch nicht.
Auch, wenn es in der Öffentlichkeit bloß negative Assoziationen und Perspektiven von Pädophilen gibt. Ich empfinde meine Pädophilie als Teil meiner Persönlichkeitsstruktur – so bin ich eben und das ist auch nichts Schlimmes oder Böses.

Girlmoments

Zuletzt wollte ich einfach nur zeigen, wie „alltägliche Pädophilie“ nach meinem Verständnis aussehen kann.
Momente, die ich mit Kindern verbracht habe, prägen sich bei mir besonders gut ein, vor allem, wenn es Momente sind, die von ihrem Ort und ihrer Zeit einzigartig, also nicht regelmäßig sind. Manchmal teile ich anderen mir gleichgesinnten Pädophilen solche Momente mit. Hier ein paar Beispiele:

https://www.girlloverforum.net/forum/viewtopic.php?f=3&t=3812
https://www.girlloverforum.net/forum/viewtopic.php?f=5&t=8032&p=277230#p277230 (Anmeldung nötig)

Was habe ich auch nicht alles erlebt:

Ich hab Kindern vorgelesen, vorgesungen, ihnen Geschichten erzählt, ihnen zugehört, ihnen beigestanden, sie getröstet, sie mit anderen befreundet, sie herzlich empfangen, sie schmerzlich verabschiedet, mit ihnen Fangen gespielt, gebastelt, gehämmert, gebaut, gescherzelt und gewitzt, geklettert und geschnitzt, geschaukelt und gelacht, geweint und zurückgezogen, Abenteuer durchlebt, Aufgaben gemacht, gelernt und gelehrt, gegrinst und belehrt, geschwommen und gerannt, Pause gemacht und Burgen im Sand, eine Reise ins unbekannte Land, verloren und aufgegeben, gewonnen und Liebe gegeben, sich gegenseitig erstaunt, überrascht, von Himbeeren genascht, Löwenzähne gepustet und Rüben gezählt, einen Kandidaten gewählt, auf Spitz aufgepasst, sich gegenseitig nass gemacht, sich verlaufen und springen, mit Brause besaufen und ringen, gekocht und geschmatzt, einen Luftballon zerplatzt, verkleidet als Feuerwehr und so vieles vieles mehr

Aber da gibt es noch mehr, denn man kann ja Blumensträuße machen, sich über Witze kaputtlachen, Ameisen beobachten, draußen im Zelt übernachten, Schmetterlinge verfolgen und bewundern, auf der Wiese herumlungern, ein Kaninchen jagen, ein Sommergedicht aufsagen, Gemüse anpflanzen oder schmücken seinen Ranzen, „auf der Mauer auf der Lauer sitzen kleine Wanze[n]“, seine eigene Fahne erstellen, wie grimmige Hunde bellen, einen Staat gründen, neues Land ergründen, ein Waldversteck haben, sich an Früchten erlaben, einen Staudamm bauen, sich etwas neues trauen, einen Tanz erfinden, ein eigenes Buch binden, Kirschkernweitspucken, durch die Gegend zucken, einen Sprunglauf machen, sich bei Regen selbst überdachen, Steine türmen und klackern, seine Geschichten zusammentackern, eine Waldrallyie planen, sich mit Blättern verstecken und tarnen, einer Spinne zusehen beim garnen, und weißt du mal nicht weiter, fragst du einfach heiter, Kinder helft mir, bevor ich scheiter‘

Ich bin mit Kindern schon garantiert einvernehmlich Bäume klettern gewesen, haben Spiele gespielt, Handklatschreime ausprobiert, Himmel und Hölle besucht, Eichhörnchen gesucht, Fangen gespielt, mit den Augen geschielt, uns gegenseitig nass gemacht, über Witze halb zu Tode gelacht, Drachen steigen lassen, absichtlich den Bus verpassen, Rasen mähen, Kreisel um die Wette drehen, Seil springen, Lieder singen, vorgetanzt, Konfetti gestanzt, erschaffen ein Sandkastenmeer, und vieles vieles mehr.

[1] http://www.werkblatt.at/archiv/38becker.html
[2] Wolfgang Berner: Pedophilic Sexual Orientation: A Fuzzy Expression. Archivies of Sexual Behavior, 31
[3] https://www.kein-taeter-werden.de/
[4] http://www.zeit.de/2012/44/Sexualitaet-Paedophilie-Therapie
[5] https://www.kein-taeter-werden.de/story/59/4459.html
[6] Can pedophiles be reached for primary prevention of child sexual abuse? First results of the Berlin Prevention Project Dunkelfeld (PPD) DOI: 10.1080/14789940903174188
[7] https://www.girlloverforum.net/
[8] http://de.wikipedia.org/wiki/Absolute_Beginners

Aschersleben: Ein Kinderporno-Ring?

Die Führungsspitze eines international operierenden Kinderporno-Rings wurde während eines jährlichen Treffens in Aschersleben am vergangenen Samstagabend von einer Hundertschaft der Polizei vorübergehend festgenommen. Es folgten Hausdurchsuchungen. Es besteht sowohl Verdacht auf Kindesmissbrauch als auch auf Besitz und Verbreitung von kinderpornographischen Schriften.
Alle festgestellten Personen seien Mitglied eines nunmehr inaktiven Chatrooms namens „Girl Lover“, in dem sich offen darüber ausgetauscht werde den Missbrauch von Kindern vorzubereiten. Unter anderem werden Tipps gegeben wie man zum Beispiel „ein stabiles Bett aufbauen sollte falls man irgendwelche Fesselpraktiken durchführen möchte“.

Soviel erfahren wir zumindest durch Polizei und Presse.

„Audiatur et altera pars“ (lat. für: Auch die andere Seite soll gehört werden) war ein Grundsatz schon aus den Zeiten des römischen Rechts und bleibt es nach wie vor in unserem heutigen Justizwesen. Schwierig wird es allerdings die andere Seite im medialen Zeitalter und außerhalb des Gerichtssaals zu hören. Dabei sind gerade die Medien die Multiplikatoren, die die öffentliche Meinung beeinflussen. In einen Gerichtssaal um ganz traditionell eine öffentliche Verhandlung zu verfolgen gehen die Wenigsten und das wäre der Masse auch gar nicht möglich. Die gesellschaftliche (Vor-)Verurteilung geschieht in der heutigen Gesellschaft schon lange bevor alle Seiten angehört wurden, die Beweise zusammengetragen wurden und überhaupt Recht gesprochen werden konnte. Mit diesem Blog-Eintrag trete ich als „altera pars“ in Erscheinung. Ich spreche allerdings nur aus meiner persönlichen Sicht.

Zurück zu dem Fall Aschersleben. Was können wir, ohne zusätzliches Hintergrundwissen, den Pressemeldungen entnehmen?

Schon früh wird deutlich, dass die Verdachtsmomente auf sehr wackeligen Beinen stehen. Es wird seitens der Polizei betont, dass die Ermittlungen noch „ganz am Anfang“ stehen. Sie stehen also am Anfang nachdem elf Personen festgestellt und verhört und mehrere Wohnungen durchsucht wurden. Die Verdächtigen wurden den ganzen Tag über observiert, wahrscheinlich auf den Verdacht hin sie würden Straftaten vorbereiten oder begehen – (Gefahr im Verzug). Das war offensichtlich nicht der Fall, denn nach der Identitätsfeststellung wurden keine Haftbefehle erlassen. Zusätzlich wird nur von einem Anfangsverdacht gesprochen und dieser ist so allgemein, dass nicht einmal die Straftat charakterisiert wird.

Besonders deutlich wird dies auch z.B. durch diesen Satz:

Unklar ist noch, ob es bei dem Netz um Kinderpornografie oder -misshandlung ging.“ (04.05. Sz-Online)

Wie kann das sein? Wenn nicht einmal bekannt ist welche Art von Straftat überhaupt in Frage kommt, wie kann so ein pauschaler Verdacht dann überhaupt aussehen? Trotzdem titelt die Presse auch nach wie vor an mehreren Stellen von einem „Kinderporno-Ring“, dessen Führungsspitze die Gruppe der elf Personen bilden soll.

Wenn in den Nachrichten demnächst verkündet würde, dass die Führungsspitze eines Drogenrings ausgehoben wurde und man dann hinterher allerdings sagt: „Unklar sei um welche Drogen es sich handelt, wo die Drogen verkauft oder konsumiert wurden und wer die Dealer und die Käufer waren“, man würde sofort merken, dass man hier für dumm verkauft wird.
Nicht so in diesem Fall. Der bloße Fakt, dass es sich um pädophile Menschen handelt, war wohl Grund genug zu der Annahme irgendeine dieser Straftaten käme in Frage.

In der Tat blieb es bis heute bei einem bloßen Anfangsverdacht, obwohl die Gruppe den ganzen Tag observiert wurde und obwohl Gegenstände unmittelbar beschlagnahmt wurden und obwohl das anwesende Kind in Obhut genommen und wohl auch befragt wurde.

Der Informant der Polizei: Ein RTL-Pressejournalist

Tatsächlich ist der Informant der Polizei Wolfram Kuhnigk, ein investigativer Journalist von RTL. Angeblich habe er ein Jahr lang in der Pädophilen-Szene recherchiert, wurde dann letztendlich zu dem Treffen in Aschersleben eingeladen. Moment mal? Er wurde zu dem Treffen der Führungsspitze eines Pädophilen-Rings eingeladen?
Und alle Indizien, die er im Vorhinein und im Verlaufe des mehrtägigen Treffens sammeln konnte, lassen nicht einmal den Rückschluss zu um welche Straftat es sich denn nun handeln könnte?

Auch in der Vergangenheit haben investigative Journalisten in die Trickkiste gegriffen um ihre fehlgeschlagene Recherchearbeit aufzuwerten, um die Anforderungen an den gewinnbringenden Sensationsjournalismus gerecht zu werden. Für die Doku-Reihe 37 Grad begab sich bereits Manfred Karremann in die Höhle des Löwen.

Im Herbst 2003 sorgte eine mit dem Magazin Stern und dem ZDF abgestimmte Polizeiaktion in München bundesweit für Schlagzeilen. In der Nacht vom 31. Oktober 2003 stürmten mit Maschinenpistolen bewaffnete Einheiten mehrerer Sondereinsatzkommands die Wohnungen von 16 Mitgliedern der seit 24 Jahren bestehenden Pädo Selbsthilfe- und Emanzipationgruppe München[…]
Die Medien berichteten im Zusammenhang mit pädophilen Selbsthilfegruppen von einem kriminellen Pädophilen-Ring.
[..]
Auf die Haftbeschwerden eines Betroffenen hin entschied das Gericht, „der Haftbefehl des Amtsgerichts München vom 12.11.2003 gegen den Beschwerdeführer wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung ist mangels dringenden Tatverdachts bereits bei Erlass rechtwidrig gewesen. Die im Beschluss des Senats vom 18.10.2004 angeführten mangelnden Voraussetzungen für die Annahme dringenden Tatverdachts der Mitgliedschaft oder Unterstützung einer kriminellen Vereinigung lagen bereits bei Erlass des Haftbefehls vor.“
Das Gericht hatte bereits am 18. Oktober 2004 festgestellt, zum Zeitpunkt der Haftbeschwerde im Februar 2004 „liege durch die falsche Behauptung eines tatsächlich nicht vorhandenen Tatverdachts durch die Ermittlungsbehörden und durch das den Haftbefehl erlassende Gericht ein Verstoß gegen das Willkürverbot vor.

Genaueres lässt sich noch hier entnehmen:
http://www.agpd.net/artikel.html
http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rk20051031_2bvr223304.html

In den Medien hörte man davon allerdings weniger. Nach wie vor besteht der Eindruck Karremann habe damals einen kriminellen Pädophilen-Ring auflaufen lassen, was sich nachweislich als falsch herausgestellt hat.

Dass es sich auch in Aschersleben bloß um das Treffen einer Selbsthilfegruppe gehandelt hat erscheint dann nicht mehr so abwegig. Pädophile sind schlicht und ergreifend ein Teil dieser Bevölkerung. Dass manche sich über das Internet kennenlernen, sich befreunden und einen Tag gemeinsam verbringen mit anschließendem Grillabend dürfte eigentlich nicht überraschen. Dass man vorsichtig vorgeht angesichts willkürlicher und rechtswidriger Verfolgung durch Ermittlungsbehörden und Verleumdung durch Medien in der Vergangenheit, ist somit nur verständlich.

Das Verhältnis zwischen Polizei und Medien

Ein Hauptinteresse der Polizei ist es Ermittlungserfolge vorweisen zu können. Nichts wäre schlimmer als in den Medien als untätig und untauglich tituliert zu werden. Andererseits werden der Polizei auch große, aufwendige und teure Fehlschläge übel genommen. Da es sich hier mutmaßlich um Straftaten einer Sorte handelt, die von der Gesellschaft besonders emotional begegnet werden, ergibt sich hier eine verquere Situation.

Kommt nun ein Journalist aus der Boulevard-Presse und macht bestimmte Behauptungen, so dünn die Beweislage vielleicht auch sein mag, und die Polizei reagiert erst einmal nicht darauf, muss sie sich später in der Presse vorwerfen lassen untätig gewesen zu sein.
Tut sie dagegen etwas, aber es kommt eigentlich nichts dabei raus, dann kann man sich wenigstens auf die Medien verlassen. Sie werden den Fall so reißerisch darstellen als wäre tatsächlich irgendeine Art von Erfolg zu verbuchen. Besonders der Fernsehsender der den Ausschlag dazu gegeben hat.
Auf der Pressekonferenz der Polizei wird beschwichtigend erklärt, dass man sich noch ganz am Anfang der Ermittlungen befinde. Doch eigentlich sieht die Situation so aus: Man hatte zu Anfang einen dünnen Anfangsverdacht… und nun nach dem Einsatz nach wie vor nur einen dünnen Anfangsverdacht.

Mehrere Wohnungen wurden durchsucht und als ob das an sich schon ein Erfolg wäre wird verkündet, dass auch Datenträger beschlagnahmt wurden. Doch war dieses massive Vorgehen überhaupt rechtskonform?
Denn laut Bundesverfassungsgericht dürften Hausdurchsuchungen nur nach konkretem Verdacht (also man müsste mindestens wissen um welche Straftat es sich denn handeln soll) durchgeführt werden.
http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rk20140313_2bvr097412.html
Diese jüngste Entscheidung, erst 2 Monate her, geschah als Reaktion auf die Hausdurchsuchungen von Kunden legaler(!) Nacktbilder von Kindern.

Der Lockvogel

Ein Teil der Verdachtslage stützt sich darauf, dass die 5-Jährige Nichte eines Teilnehmers angeblich dazu benutzt werden sollte weitere Opfer auf Spielplätzen anzulocken. Dabei wird unterstellt dass das Mädchen selbst schon ein Opfer der pädophilen Machenschaften sei.
Während die ersten Pressemeldungen explizit davon sprachen, dass Kinder für spätere Straftaten angelockt werden sollten, sieht das in den neueren Mitteilungen schon ganz anders aus. Dort heißt es nur noch das Kind sei dafür da mit anderen Kindern Kontakte zu knüpfen, was ja in sich selbst keine Straftat ist.

Überhaupt wurde der ganze Tag der Gruppe im Zoo und auf dem Kinderflohmarkt von der Polizei observiert. Haben sich die Vermutungen erhärtet? Wohl nicht. Wurde das Kind selbst missbraucht? Auch das wurde schnell ausgeschlossen.

Trotz dessen redet die Presse immer noch von „Perfidie“ und „Missbrauch des Kindes als Lockvogel“. Von Hinweisen die die Behauptung stützen könnten, dass das Treffen dazu diene möglicherweise „Straftaten vorzubereiten“ findet sich auch keine Spur.
Dass es sehr gut sein kann, dass sich pädophile Menschen, die sich über das Internet kennengelernt haben, sich bloß mal gemeinsam treffen wollten um einem schönen Tag zu verbringen, wird nicht von einer einzigen kritischen Stimme aus der Presse in Erwägung gezogen.
Die Polizei sprach selbst davon, dass Treffen von Mitgliedern eines Kinderporno-Rings außerhalb des Internets recht ungewöhnlich sei.
Welchen Zweck hätte dies auch erfüllt? Man würde sich so in immense Gefahr begeben.
So ein Treffen würde nur Sinn machen, wenn es ein Bedürfnis nach zwischenmenschlichem Kontakt geben würde – z.B. zwischen und unter Pädophilen.

Vorbestrafte Pädophile / Pädophilie eingeräumt

In den Berichten der Medien wird besonders darauf Wert gelegt, dass einige der Pädophilen Vorstrafen haben.
Für jemanden, der seine Strafe verbüßt hat, gilt auch erneut die Unschuldsvermutung. Zusätzlich sollten Menschen, die mit vorbestraften Menschen zu tun haben, nicht deswegen schon
Verfolgung fürchten müssen.

Es ist auch zusätzlich irreführend, wenn die Medien davon sprechen, einige hätten ihre Pädophilie „eingeräumt“. Es handelt sich bei Pädophilie nicht per se um eine Straftat, Handlung oder irgendein Vergehen was man zugeben/einräumen kann. Es scheint als wäre der Einsatz allein damit gerechtfertigt, dass es sich um Pädophile handelt.

Es wird in den Medien auch nicht davon gesprochen, dass jemand eingeräumt habe er sei eine Person mit Migrationshintergrund und würde damit ein Stück näher an die vermuteten Straftaten rücken.

Girl (L)over Chat

Wie dünn die Verdachtslage ist konnte man auf der Pressekonferenz der Polizei bemerken. Es wird betont, dass man schnell handeln wollte und deswegen auf die sonst längere Vorlaufzeit, in der der Verdacht überprüft worden wäre, verzichtet habe. Abhilfe schuf hier der Verweis auf den Ursprung der Teilnehmer dieses angeblichen „Pädophilen-Rings“ aus einem internationalen „Chat“ namens „Girl Lover“ oder auch „Girl Over“ mit über 100 Mitgliedern, welches mittlerweile inaktiv sei.

Hierzu kann ich persönlich etwas sagen und auch richtigstellen.
- Der Chat ist kein Chat, sondern ein Forum im Internet.
- Das Forum nennt sich „Girlloverforum“, frei übersetzt: ein Forum für Mädchenliebhaber. (https://www.girlloverforum.net)
- Das Forum ist deutschssprachig. Es ist insofern international, dass es natürlich mehrere deutschsprachige Länder gibt. Aber die Behauptung in der Presse „international“ ohne weitere Erklärung klingt natürlich bedrohlicher
- Das Forum ist sehr wohl noch aktiv und jeder kann sich dort registrieren und am Forenleben teilnehmen
- Das Treffen in Aschersleben war kein offizielles Treffen – gleichwohl waren einige Personen auf dem Treffen auch Mitglieder aus dem Forum, teilweise auch langjährige
- Das Forum ist demnach auch kein „operierendes Netzwerk“; die einzige Operation in dem Forum ist Diskussion und gedanklicher Austausch

Insbesondere ist das Forum auch nicht als eine geschlossene Gruppe von Pädophilen zu verstehen, sondern als offene Diskussionsplattform. Da viele Pädophile angesichts der gesellschaftlichen Stigmatisierung sich niemandem anvertrauen können, ist ein Forum in dem man auch anonym bleiben kann und sich mit anderen Pädophilen austauschen kann natürlich willkommen.

Das Forum ist darüber hinaus legal, es besteht seit mehr als 5 Jahren, ist in einigen Medienberichten schon einmal aufgetaucht.
Zum Beispiel bei der Landesschau des SWR:
https://www.girlloverforum.net/forum/viewtopic.php?f=7&t=9158

Der Link auf den Filmbeitrag des SWR funktioniert leider nicht mehr. Interviewed wurde dort unter anderem der Dipl.Psychologe und Forensiker „Markus Klein“.

Das Girlloverforum wurde in der Vergangenheit auch unzählige Male von empörten Besuchern bei der Polizei gemeldet, mit wenig Erfolg, wie diese Zusammenstellung zeigt:
https://www.girlloverforum.net/forum/viewtopic.php?f=3&t=6742

Auch andere empören sich über unser Forum:
http://forum.ksta.de/showthread.php?t=10213

Wäre das girlloverforum illegal, wäre es längst vom Netz, deswegen heißt es unter anderem in den Regeln des Forums explizit:

d) Für in Postings gesetzte Links übernehmen die Admins keine Verantwortung. Links zu rechtlich fragwürdigen Inhalten werden gelöscht. Gleiches gilt für alle Links zu erotischen oder pornographischen Inhalten.

e) Beiträge, die den Verdacht illegaler Handlungen des Autors nahe legen, andere User illegaler Handlungen bezichtigen oder andere User zu illegalen Handlungen verleiten können, sind nicht zulässig und werden gelöscht.

https://www.girlloverforum.net/forum/viewtopic.php?f=1&t=7

Kontakte zu Kinder knüpfen

In der Presse und bei der Polizei wird der Verdacht laut, dass an dem Treffen an den Spielplätzen Kontakte zu Kindern geknüpft werden sollten. Zunächst wird spekuliert, dass tatsächlich Kinder angelockt werden sollten um sie zu missbrauchen. Später wird relativiert, dass es sich nur um Kontaktanbahnungen handeln sollte.

Möglich. Aber Kontakt zu Kindern kann sich selbstverständlich auch von Pädophilen aus völlig legal gestalten. In der Tat ist dies auch plausibel. Ein entsprechender Abschnitt auf Wikipedia fasst die Bedürfnislagen von Pädophilen ganz gut zusammen:

Neben dem sexuellen Interesse ist bei Pädophilen ein Bedürfnis nach emotionaler Nähe zu Kindern festzustellen. Viele Pädophile verlieben sich in Kinder und wünschen sich echte wechselseitige Liebesbeziehungen zu Kindern. Manche Pädophile empfinden ihr Leben als unvollständig und emotional destabilisierend, wenn ihr Wunsch nach emotionaler Nähe keine Erfüllung findet. Überproportional viele Pädophile arbeiten in entsprechenden Berufen, z. B. als Erzieher oder in der Jugendbetreuung, um Umgang mit Kindern zu haben. Es wird ferner vermutet, dass manche der primär pädophil orientierten Männer alleinstehende Frauen mit vorpubertären Kindern heiraten, um ihr Bedürfnis nach Nähe zu befriedigen. Das Bedürfnis nach körperlicher und emotionaler Nähe ist individuell sehr verschieden ausgeprägt und gewichtet. Die Bedürfnislagen können sowohl einzeln als auch zusammen im Vorder- oder Hintergrund stehen.

Literaturnachweise dazu lassen sich auf Wikipedia nachvollziehen:
http://de.wikipedia.org/wiki/P%C3%A4dophilie#Aspekte_der_p.C3.A4dophilen_Sexualpr.C3.A4ferenz

Nur, weil ein Pädophiler Kontakt zu Kindern sucht, muss das nicht heißen, dass er das Kind dann auch missbraucht oder es plant.

Fesselpraktiken

Um ein „Horror-Bild“ von dem Girlloverforum (kurz: GLF) zu vermitteln, sprach man bei der Pressekonferenz davon, dass man sich in diesem Forum darüber austauschen würde wie man Straftaten gegen Kinder vorbereitet, z.B. wie man ein stabiles Kinderbett aufbauen müsse um darauf Fesselpraktiken auszuüben.

Es handelt sich um diesen vier Jahre alten Thread im Forum:
https://www.girlloverforum.net/forum/viewtopic.php?f=22&t=3259

Auffallend ist zunächst einmal, dass ein anonymer Gast und kein Mitglied des Forums den Thread eröffnetet mit offensichtlich provozierendem und ironischem Wortlaut „Ist sex im kinderbett erlaubt?“.
Woraufhin ein Mitglied des Forums satirisch folgende Seite zitierte:
http://www.vis.bayern.de/produktsicherheit/produktgruppen/einrichtung/kinderbetten.htm

Dort wird skizziert, was man bei der Wahl eines Kinderbetts beachten sollte.

Am Ende des Beitrags wurde der Satz aus dem Artikel

Vermeiden Sie deshalb lose Bänder! Schnüre dürfen höchstens 22 cm freie Länge haben und müssen mindestens 1.5 mm dick sein.

…dann von dem Forenmitglied fälschlicherweise (offensichtlich als Scherz gemeint) mit der Sexpraktik „Bondage“ (sexuelle Fesselpraktiken) in Verbindung gebracht.

Das unterscheidet sich extrem(!) von der Darstellung, die die Polizei in ihrer Pressekonferenz verlauten ließ.

Fazit

- Es gibt bisher keine Hinweise auf Straftaten
- Die Polizeiaktion und die Hausdurchsuchungen verstoßen mit hoher Wahrscheinlichkeit gegen das Willkürverbot
- Die Polizei stützt sich auf die dünnen Aussagen eines Sensationsjournalisten aus der Boulevard-Presse im Affekt und bleibt ohne Ergebnis
- Das Treffen war ein nicht offizielles informelles Treffen einiger Forenmitglieder
- Der „Girl Lover Chat“ ist in Wirklichkeit ein langjährig bestehendes legales Internetforum und Diskussionsplattform
- Das Forum ist sowohl den Medien als auch der Polizei eig. schon hinlänglich bekannt
- Der Verweis auf „Fesselpraktiken“ aus der Pressekonferenz ist eine grobe Fehldarstellung

Weitere Informationen:

https://www.girlloverforum.net/forum/viewtopic.php?f=6&t=14608
https://www.girlloverforum.net/forum/viewtopic.php?f=7&t=14618

http://www.childlove.info/schmierfinkjournalismus/bka-braucht-hunderte-spezialeinheiten-zur-identitaetsfeststellung-von-11-personen/

http://www.heise.de/tp/artikel/41/41706/1.html

Erlebnisberichte:
https://www.girlloverforum.net/forum/viewtopic.php?f=1&t=14645&p=297743#p297743

https://www.girlloverforum.net/forum/viewtopic.php?f=6&t=14608&start=270&p=297992#p297992

Fragen beantworte ich im Forum oder auch unter der Email-Adresse:
Ovid221@safe-mail.net